Der Rasthof "Zum Körling" wie er früher einmal aussah.

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Die Geschichte des Rasthof's Körling

Zur Geschichte Am 19. Dezember des Jahres 1720 trug der aus Altenweddingen stammende Hans Georg Kirchmeyer dem Gemeinde-vorstand von Altenweddingen mündlich vor, dass er gewillt wäre, zwischen Schwaneberg und Alten-weddingen, in dem so genannten “Körlingen” an der Magdeburg-Halberstädter Straße, einen Gasthof zu erbauen. Schon zwei Jahre zuvor hatte der Alten-weddinger Conrad Bachmann die gleiche Idee, doch fand dessen Vorhaben seinerzeit offenbar kein Gehör. Hans Georg Kirchmeyer indes begründete sein Anliegen damit, dass Frachtfuhrwerke und Landkutschen im Gasthof logieren könnten, wenn sie vor Schließung der Magdeburger Stadttore die Stadt nicht mehr erreichten.


 
Auch das junge Volk von Altenweddingen und Schwaneberg hätte dann die Gelegenheit, an Sonn- und  Feiertagen den Gasthof zu besuchen. Die Altenweddinger Räte entschlossen sich, die Idee Kirchmeyers aufzugreifen und richteten ihrerseits ein entsprechendes Gesuch an die Magdeburger Domänenkammer. Allerdings machten sie dabei zur Bedingung, keine weiteren Gasthöfe an der Halberstädter Straße zwischen Egeln und Magdeburg zuzulassen. Nach eingehender Beratung der  Domänenkammer erteilte sie der Gemeinde Altenweddingen dieses ausschließliche Recht mit der Auflage, dafür jährlich einen Canon von 27 Talern an das Amt Egeln zu entrichten. Den Ausgabenbüchern der Gemeinde ist zu entnehmen, dass dieser Betrag tatsächlich jährlich gezahlt wurde, bis dieses Privileg nach der Einführung des westfälischen Rechts durch Napoleon im Jahre 1807 aufgehoben wurde. Im November 1721 war der Gasthof fertig gebaut.


 
Die Baukostenrechnung, geführt von dem Bauermeister Georg Döbbel über den -so wörtlich - “anno 1721 neuerbauten Gast Hoff vor dem Dorff Altenweddingen” weist einen Betrag von 580 Talern, 16 Groschen und 9 Pfennigen aus. Es ist anzunehmen, dass er an gleicher Stelle gestanden hat, an dem auch der heutige steht. Wann er aufgegeben wurde und welche Ursachen dazu führten, kann nicht mehr festgestellt werden. Vielleicht wurde er durch Feuer zerstört oder auch Opfer von durchziehenden Truppen während der Zeit der Befreiungskriege 1813 bis 1814.


 
Im Jahre 1827 wurde die Magdeburg-Halberstädter Straße neu ausgerichtet und mit einer Pflasterung versehen. Sie war damit nach der Leipziger Straße (1806) und der damals als zweite Leipziger Straße bezeichnete Atzendorf-Egelner Straße (1820) die dritte angelegte Straße im Bereich des damaligen Kreises Wanzleben. Auf diesen nun wesentlich besser befahrbaren Straßen nahm der Fuhrbetrieb mit den üblichen Pferdefuhrwerken ständig zu. Damit ergab sich jetzt ein zunehmend lohnendes Geschäft, die so genannten Ausspanngasthöfe zu errichten und zu betreiben.


 
Hier konnten die Fuhrmannsleute ihre Pferde ausspannen, mit Futter versorgen und selbst Quartier nehmen. Überwiegend entstanden die Ausspanngasthöfe an den Kreuzungen der großen Chausseen. Die Kreuzung der Altenweddingen-Schwaneberger Straße über die Halberstädter Chaussee bot solch eine günstige Lage. Dort, wo vorher schon ein Gasthof stand, war sicher ein gutes Geschäft zu erwarten. So war es der Landrat von Alemann des noch jungen Kreises Wanzleben (seit 1816), der dem aus Klein Wanzleben stammenden Peter Romanus Walstab den Vorschlag machte, an dieser Stelle wieder einen Gasthof mit Ausspann zu errichten. Diese Anregung aufgreifend, erbaute Walstab im Jahre 1831 den Gasthof und gab ihm den Namen “Körling”. Im Volksmund nur “Kerling” gesprochen, wurde er nach der in der Nähe gelegenen wüsten Dorfstätte Körlingen benannt. Später dann, als man den Gasthöfen wohlklingende Namen gab, erfolgte die Umbenennung in “Stadt Leipzig”. Doch vermochte der neue Name nicht, sich auf Dauer gegen den altbekannten durchzusetzen.


 
Die günstige Lage erfüllte wirklich alle Erwartungen und brachte dem Gasthofals “Stadt Leipzig” eine Blütezeit. Die weiten Stallungen reichten kaum aus, um allabendlich rund 100 Pferde unterzubringen. Täglich wurden etwa 40 Zentner Hafer für die Pferdefütterung benötigt. Auch vor den Heuraufen an der Straße drängten sich die Pferde. Die Kutscher mussten oft auf einem Strohlager in den Gaststuben kampieren. Dennoch kamen sie nicht zu kurz - sie stärkten sich mit Schwaneberger Bauernkorbkäse und Egeleibier. Großvater Walstab, der alte Körlingswirt, war ein Unikum und immer zu Späßen aufgelegt. Seine Schnupftabaksdose hatte er immer parat und an seinem Kittel waren die Spuren des Schnupfens deutlich sichtbar. Er bot die Dose auch seinen Gästen an, stets schmunzelnd und mit seinem immer gleichen Spaß-Vers: “Wer aus dieser Dose eine Prise nimmt, den ganzen Schlaf kein Tag ihm kimmt.” Das bis dahin gute Geschäft erlitt allerdings durch die Eröffnung etlicher Bahnlinien im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen starken Einbruch. Der Güterverkehr auf den Straßen ging zurück, weil die Eisenbahn nun den Transport übernahm. Die Walstabs auf dem Körling hatten aber vorgesorgt und sich mit dem Kauf von Acker ein zweites Standbein geschaffen. Dieser Acker wurde im Zuge der Separation so günstig gelegt, dass er immer schnell erreichbar war. Nun galt das Interesse mehr der Landwirtschaft als dem nachlassenden Geschäft mit dem Ausspann. Die weitläufigen Stallungen für die Pferde wurden nun zu Wirtschaftsräumen für den  landwirtschaftlichen Betrieb.


 
Inzwischen hatte der Sohn Hermann Wilhelm Walstab den Betrieb von seinem verstorbenen

Vater übernommen. Dieser wurde auf dem Körling beigesetzt. Hier hatten die Walstabs im Westteil ihres Gartens unter hohen Bäumen eine Erbbegräbnisstätte. In einem Gewölbe standen die Särge von sieben Erwachsenen und vier Kindern der Familie. Das Recht zur Errichtung einer eigenen Grabstätte wurde dem ersten Besitzer des Körlings vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV.  verliehen. Nach dem Tod von Hermann Wilhelm Walstab im Jahre 1905 übernahm dessen Sohn Edmund den Körling. Nach und nach verlagerte sich mit dem aufkommenden Autoverkehr der Güterverkehr wieder verstärkt auf die Straße. Auch der Reiseverkehr mit dem Automobil gewann immer mehr an Bedeutung. Nun verspürte  auch der Gasthof “Stadt Leipzig” eine wieder zunehmende Belebung. Vor allem war es der nahe Harz, der immer mehr Ausflügler über die Halberstädter Chaussee anlockte. Statt der alten Heuraufen für die Pferde brauchte man nun eine Tankstelle für die Autos. Gerne wurde Station im Gasthof gemacht, im Sommer saß man unter schattigen Bäumen und sah dem Treiben auf der Straße zu. Hier wurde auch getanzt. Aus den umliegenden Dörfern traf man sich zu den Erntefesten oder zu Himmelfahrt, und des Öfteren endete so ein Tag mit einer zünftigen Schlägerei unter den rivalisierenden jungen Männern. Edmund Walstab starb Ende der 1940er Jahre. Da er unverheiratet und kinderlos war, erbte der Sohn seiner Schwester, Herbert Müller, den Körling.

Noch zu Lebzeiten seines Onkels hatte er den Körling bewirtschaftet. Mehrfach wurde das Einzelgehöft auch von Einbrechern heimgesucht. So auch am 28. September 1921, als drei Personen die Gaststätte überfielen und einer der Täter dabei zu Tode kam. Mit der Zeit kam der einst so klangvolle Name “Stadt Leipzig” aus der Mode und die nie ganz verdrängte alte Bezeichnung “Körling” wurde wieder zum offiziellen Namen des alten Gasthofs. Mit dem Ableben von Herbert Müller endete auch der über 140 Jahre währende Familienbesitz der Walstabs auf dem Körling. Im Jahre 1975 fand der Gasthof neue Besitzer, welche ihn später dann wieder verkauften.

Von 1985 bis ……ist der Körling im Besitz der Familie Försterling, die ihn zu den Kulturfesttagen 1986 wieder eröffnete. Aus dem einstigen Ausspanngasthof ist eine moderne, den heutigen Ansprüchen gerecht werdende Raststätte entstanden, die auch zukünftig von der günstigen Lage in Richtung Harz profitieren wird. Der Körling gehörte immer zu Altenweddingen, bis zum November 2002, wo er im Zuge der Korrektur der Straßennamen innerhalb der Gemeinde Sülzetal nach Schwaneberg eingemeindet wurde.